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Aus meinem Bücherregal

Mein erstes Technikbuch


Das großformatige Buch "Mein erstes Technikbuch" von Joe Kaufmann hat mich als Kind vor allem aufgrund seiner interessanten Schnittzeichnungen fasziniert. Diese Schnittzeichnungen erklären viele technische Gegenstände und Maschinen.

Das Buch trägt den Untertitel "Von Autos, Schiffen, Flugzeugen und von vielen Maschinen, die uns umgeben" – und als Kind hatte ich diese Aussage so gedeutet, daß diese ganze Technik für uns Menschen nicht immer gut ist. Das Wort "umgeben" hatte für mich eine deutliche sprachliche Nähe zu "umbringen". Inhaltlich konnte ich in dem Buch allerdings keine Technikkritik erkennen.

Das Buch ist Anfang der 1970er-Jahre im Otto Maier Verlag Ravensburger erschienen, es handelt sich um eine Übersetzung aus der englischen Sprache.

Viele der Zeichnungen aus dem Buch sind mir tatsächlich visuell im Gedächtnis geblieben. Und ich kann mich bei vielen Seiten dieses Buches noch gut daran erinnern, wie ich als Kind darüber gedacht habe – obwohl ich diese Gedanken heute zum Großteil nicht mehr nachvollziehen kann.

So konnte ich mir als Kind gut vorstellen, daß sich im Kraftfahrzeug tatsächlich ein Feuerzeug befindet, das das Benzin anzündet, und ein Quirl, mit dem die Bewegung auf die Räder übertragen wird. Das erschien mit tatsächlich plausibel und realistisch, während die Darstellung des tatsächlichen Motors als kompaktem Motorblock mir völlig unverständlich war.

Einige technische Details werden durch Texte erklärt, der überwiegende Teil des Inhalts ist aber lediglich durch Bilder beschrieben. Das gelingt gegenüber einem Kind nicht immer. So war mir zum Beispiel auch unverständlich, was bei einem Kraftfahrzeug der Unterschied zwischen dem ersten Gang, dem zweiten Gang und dem dritten Gang ist. So war im Buch dargestellt, daß der dritte Gang dadurch definiert ist, daß ein auf der Motorhaube sitzender Papagei aufgeregt mit den Flügeln schlägt. Der darin liegende Sinn erschloss sich mir nicht.

Intensiv in Erinnerung geblieben ist mir die Schnittzeichnung durch eine Rolltreppe. Rolltreppen mit Plexiglas-Verkleidung, bei denen man die Mechanik von außen sehen konnte, waren zur damaligen Zeit noch nicht üblich.
Umso beeindruckender war für mich als kleiner Junge die Darstellung in dem Buch.

Auch das Funktionsprinzip des Aufzugs, insbesondere der Zweck des Gegengewichts, habe ich anhand der Zeichnung und der Erklärungen von "Mein erstes Technikbuch" verstanden.

Ebenso intensiv werden Verkehrsmittel wie Schiffe, Eisenbahnen und Flugzeuge, aber sogar die Mondlandefähre, aber auch Alltagsgegenstände wie Telephon, Waschmaschine und Photokamera in Schnittbildern vorgeführt und beschrieben.

Wenn ich das Buch aus heutiger Sicht noch einmal durchlese, fällt mir deutlich auf, wie streng damals die Geschlechterrollen gesehen wurden:

Es fängt an mit der Kleiderordnung: Mädchen und Frauen sind grundsätzlich nett und süß dargestellt, Mädchen lächeln gehorsam, alle tragen einen Rock. Ich muß in dem Buch lange suchen, um auf den Bildern überhaupt einmal ein Mädchen zu finden, das keinen Rock anhand. Ich finde es in der Zeichnung eines Spielplatzes, wo die Kinder toben und schaukeln, und wo ein Rock schon rein praktisch sehr hinderlich wäre.

Es geht weiter mit den Tätigkeiten der Menschen: Schiffe, Eisenbahnen, Flugzeuge und die Mondlandefähre &ndash alle Verkehrsmitteln werden von Männdern bedient und gesteuert. Frauen machen dagegen den Haushalt, sie klopfen den Teppich aus und waschen die Wäsche, wenn die Kinder wieder mal dreckig vom Spielen nach Hause kommen. Es sind Mädchen, die am Gasherd und am Elektroherd Kuchen backen und sie anschließend gegenseitig mit ihren Kreationen bewirten.

Selbst bei der Erklärung von Photo- und Filmkamera sind die Geschlechterrollen klar verteilt: Das Mädchen ist adrett gekleidet und perfekt frisiert, es posiert geduldig und artig lächelnd für die Kamera. Und es freut sich, wenn es sich später in der Dia-Show des Vaters wiedererkennt. Der Junge dagegen darf sich austoben: Er wird gefilmt als Schlagmann beim Kricketspiel. In voller Montur ist der Junge als Sportmann in Bewegung, um seiner Mannschaft zum Sieg zu verhelfen, während das Mädchen nur hübsch lächeln soll.

Verwandte Themen: Mechanische Schreibmaschine, What if – Was wäre wenn?



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